Du gehst an einem kleinen Kinde vorüber, du gehst vorüber, gehässig, mit hässlichen Worten, mit zornigem Herzen; du hast das Kind vielleicht nicht bemerkt, aber es hat dich gesehen, und dein Bild, ungebührlich und unedel, mag in seinem wehrlosen Herzen bleiben. Du weißt es nicht, aber du hast vielleicht einen bösen Samen in ihm gesät und er mag wachsen, und all das, weil du vor dem Kinde nicht achtsam warst, weil du in dir keine achtsame, tätige und wohlwollende Liebe gehegt hast.
— Fjodor Dostojewski (1821–1881), Schriftsteller
Quelle: Die Brüder Karamasow, Übers. Constance Garnett
Themen: Liebe, Ethische Fragen, Nachfolge & Jüngerschaft
Anlässe: Zum Nachdenken
Fjodor Dostojewski
Fjodor Dostojewski (1821–1881) war ein russischer Schriftsteller und Denker, der nach Zwangsarbeit und Verbannung in Sibirien vor allem in Sankt Petersburg wirkte. In Romanen wie „Schuld und Sühne“ und „Die Brüder Karamasow“ erforschte er existenzielle Fragen von Schuld, Gewissen und Glauben, vertrat publizistisch jedoch auch nationalistische und antisemitische Positionen. Für Bibelleser bietet sein Werk eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Willensfreiheit, Theodizee und der Suche nach Erlösung durch Christus inmitten menschlicher Abgründe.
Alle Zitate von Fjodor Dostojewski (266)
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