Wenn Christus alles getragen hat, was unsere Sünden verdienten, und dadurch Gottes Gerechtigkeit vollkommen zufriedengestellt hat, dann kann Gott uns gerechterweise nicht für Sünde bestrafen; denn das würde verlangen, die volle Zahlung von Christus zu fordern und dennoch einen Teil davon von uns… Gott züchtigt uns nicht als Mittel zur Genugtuung für Sünde, sondern zur Zurechtweisung und Warnung, um uns dazu zu bringen, über begangene Sünde zu trauern und uns vor ähnlicher zu hüten. Es muss stets bedacht werden: Obwohl Christus die Strafe der Sünde getragen hat und obwohl Gott den Heiligen ihre Sünden vergeben hat, kann Gott sein Volk dennoch auf väterliche Weise für seine Sünde korrigieren. Christus erlitt den großen Regenschauer des Zorns, die dunklen und düsteren Stunden des Missfallens über die Sünde. Was auf uns fällt, ist wie ein Sonnenscheinregen: Wärme mit Nässe, Nässe mit der Wärme seiner Liebe, um uns fruchtbar und demütig zu machen… Was der Gläubige wegen der Sünde erleidet, ist nicht strafend aus rächender Gerechtigkeit, sondern heilsam aus väterlicher Liebe. Es ist seine Medizin, nicht seine Strafe; seine Züchtigung, nicht sein Urteil; seine Korrektur, nicht seine Verdammnis.

Samuel Bolton (1606–1654), Theologe

Themen: Gnade & Erlösung, Schuld & Vergebung, Leid & die Frage nach Gott

Anlässe: Zum Nachdenken

Samuel Bolton

Samuel Bolton war ein englischer puritanischer Theologe und Geistlicher des 17. Jahrhunderts, der in London predigte sowie als Master des Christ’s College in Cambridge und Mitglied der Westminster-Synode wirkte. Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein Werk „The True Bounds of Christian Freedom“, in dem er das Verhältnis von biblischem Gesetz und christlicher Freiheit zwischen Gesetzlichkeit und Antinomismus bestimmte. Für Bibelleser bietet sein Ansatz eine theologische Orientierung dazu, wie das Gesetz Gottes und die Botschaft der Gnade im gelebten Glauben zusammenwirken.

Alle Zitate von Samuel Bolton (7)

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