Eine kleine Lüge führt zur nächsten, und schon bald erzählt man dicke Brocken. Um das eigene Schuldbewusstsein zu beruhigen, belügt man sich auch selbst. Vielleicht redet man sich ein, man lüge nicht wirklich, sondern „verpacke nur die Tatsachen neu“. Vielleicht macht man sich das Motto zu eigen: „Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Vielleicht wiederholt man falsche Philosophien aus dem Unterricht wie: „Taten müssen nach ihren Folgen beurteilt werden.“ Oder man sucht einfach Ausreden: „Ich weiß, der Zweck heiligt sonst nicht die Mittel, aber mein Fall ist besonders.“ Ehe man es sich versieht, hat man so viele Lügen erzählt, dass man die Wahrheit nicht einmal mehr kennt. Noch schlimmer: Wer die Wahrheit vergisst, vergisst meistens auch die Wahrheit in Person – und ich glaube, Sie wissen, wen ich meine!
— J. Budziszewski (* 1952), Philosoph, Apologet und Universitätsprofessor
Themen: Freiheit & Wahrheit, Schuld & Vergebung, Versuchung & Kampf
Anlässe: Zum Nachdenken
J. Budziszewski
J. Budziszewski (* 1952) ist ein US-amerikanischer Philosoph und Politikwissenschaftler, der seit 1981 als Professor an der University of Texas at Austin lehrt. Der römisch-katholische Denker ist vor allem für seine Erneuerung der thomistischen Naturrechtslehre bekannt und vertritt die These, dass grundlegende moralische Wahrheiten unauslöschlich im menschlichen Gewissen verankert sind. Für Bibelleser bietet er philosophische Begründungen für eine objektive biblische Ethik, wenngleich seine traditionellen gesellschaftspolitischen Positionen im säkularen Diskurs umstritten sind.
Alle Zitate von J. Budziszewski (15)
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