Das Gebot Gottes wird zu dem Element, in dem man lebt, ohne daß man sich dessen immer bewußt würde. Das Gebot als Element des Lebens bedeutet Freiheit der Bewegung und des Handelns, Freiheit von der Angst vor der Entscheidung, vor der Tat, es bedeutet Gewißheit, Ruhe, Zuversicht, Gleichmaß, Freude. … Erst wenn mich das Gebot nicht nur als Übertreter der Grenzen bedroht, sondern wenn es mich durch seinen sachlichen Gehalt überführt, überwindet, befreit es mich von der Angst und Ungewißheit der Entscheidung. … Das Gebot Gottes ist die Erlaubnis als Mensch vor Gott zu leben. Das Gebot Gottes ist Erlaubnis. Darin unterscheidet es sich von allen menschlichen Gesetzen, daß es die Freiheit – gebietet. Darin erweist es sich als Gottes Gebot, daß es diesen Widerspruch aufhebt, daß das Unmögliche möglich wird, daß das, was jenseits alles Gebietbaren liegt, die Freiheit, sein eigentlicher Gegenstand ist. So hoch greift das Gebot Gottes, billiger ist es nicht.
— Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), Theologe und Widerstandskämpfer
Themen: Freiheit & Wahrheit, Nachfolge & Jüngerschaft
Anlässe: Zum Nachdenken
Dietrich Bonhoeffer
Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) war ein deutscher lutherischer Theologe, Pfarrer und führender Vertreter der Bekennenden Kirche, der unter anderem in Berlin, London und Finkenwalde wirkte. Er prägte den Begriff der „teuren Gnade“ und schloss sich aus christlicher Überzeugung dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime an, weshalb er 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet wurde. Seine Schriften fordern Bibelleser bis heute heraus, theologische Erkenntnis mit gelebter Nachfolge und ethischer Zivilcourage in Krisenzeiten zu verbinden.
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