Wenn es wirklich zuträfe, dass das Zusammenleben vor der Ehe ein Probelauf für die Ehe ist, dann müssten Scheidungen bei Paaren, die vorher nicht zusammengewohnt haben, häufiger sein als bei solchen, die es taten. In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: Scheidungen kommen bei Paaren, die zuvor zusammengelebt haben, häufiger vor. Der Grund dafür ist leicht zu finden. Das eigentliche Wesen der Ehe ist eine verbindliche Zusage. Das eigentliche Wesen des unverbindlichen Zusammenlebens ist das Fehlen einer solchen Zusage. Deshalb kann das Zusammenleben keine Probe für die Ehe sein, weil die beiden Zustände in allem, was zählt, gegensätzlich sind. Und deshalb ähnelt das Fehlen einer verbindlichen Zusage weniger einem Training für die Ehe als vielmehr einem Training für die Scheidung.
— J. Budziszewski (* 1952), Philosoph, Apologet und Universitätsprofessor
Themen: Beziehung & Familie, Ethische Fragen, Weisheit & Erkenntnis
Anlässe: Hochzeit & Partnerschaft, Zum Nachdenken
J. Budziszewski
J. Budziszewski (* 1952) ist ein US-amerikanischer Philosoph und Politikwissenschaftler, der seit 1981 als Professor an der University of Texas at Austin lehrt. Der römisch-katholische Denker ist vor allem für seine Erneuerung der thomistischen Naturrechtslehre bekannt und vertritt die These, dass grundlegende moralische Wahrheiten unauslöschlich im menschlichen Gewissen verankert sind. Für Bibelleser bietet er philosophische Begründungen für eine objektive biblische Ethik, wenngleich seine traditionellen gesellschaftspolitischen Positionen im säkularen Diskurs umstritten sind.
Alle Zitate von J. Budziszewski (15)
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