Wie kann ich mich beim Bibellesen besser auf den Heiligen Geist ausrichten?

Sich beim Bibellesen auf den Heiligen Geist auszurichten, beginnt mit einer bewussten Haltung der Empfangsbereitschaft und dem Verständnis, dass derselbe Geist, der die Texte inspiriert hat, auch ihr Ausleger in unserem Herzen ist. Diese geistliche Ausrichtung ist keine komplizierte Technik, sondern eine Beziehungsdynamik, die sich durch konkrete geistliche Übungen kultivieren lässt.

1. Die Epiklese: Das Gebet vor dem Lesen

In der christlichen Tradition gibt es seit den frühen Jahrhunderten die Praxis der Epiklese – des Herbeirufens des Heiligen Geistes. Bevor wir den Verstand einschalten, öffnen wir unser Herz.

Im griechischen Grundtext des Neuen Testaments wird der Heilige Geist in Johannes 14,26 als parakletos bezeichnet – der Beistand, Ratgeber oder Tröster. Jesus verspricht dort, dass dieser Beistand uns „alles lehren“ und an seine Worte erinnern wird. Ein einfaches, ehrliches Gebet vor dem Aufschlagen der Bibel lädt diesen Beistand aktiv ein: „Heiliger Geist, mein Verstand ist begrenzt. Bitte öffne mir die Augen für das, was du mir heute sagen willst.“

2. Den „Atem“ des Textes wahrnehmen

Das hebräische Wort für Geist im Alten Testament ist ruach, im griechischen Neuen Testament heißt es pneuma. Beide Begriffe bedeuten fundamental „Wind“, „Atem“ oder „Hauch“. In 2. Timotheus 3,16 schreibt Paulus, dass die ganze Schrift „von Gott eingegeben“ ist – im Grundtext steht hier theopneustos, was wörtlich „gottgehaucht“ oder „von Gottes Geist durchweht“ bedeutet.

Wenn wir die Bibel lesen, atmen wir quasi den Atem Gottes ein. Um sich darauf auszurichten, hilft es, das Lesetempo drastisch zu verlangsamen. Die klassische klösterliche Praxis der Lectio Divina (geistliche Lesung) nutzt vier Schritte, um dem Geist Raum zu geben:

3. Das Zusammenspiel von Geist und Verstand

Sich auf den Geist auszurichten bedeutet nicht, den Verstand auszuschalten. Der Reformator Johannes Calvin betonte das enge Zusammenspiel von Wort und Geist. Er prägte den Begriff des testimonium Spiritus Sancti internum (das innere Zeugnis des Heiligen Geistes). Er argumentierte, dass das geschriebene Wort Gottes und das Wirken des Geistes untrennbar zusammengehören: Der Geist wirkt durch das Wort, nicht daran vorbei (Calvin, Unterricht in der christlichen Religion, I.7.4, 1559).

Nutzen Sie also ruhig Studienhilfen, historische Hintergründe und Sprachanalysen. Der Heilige Geist nutzt oft unser intellektuelles Verstehen, um eine tiefere, persönliche Wahrheit in unser Leben hineinzusprechen.

4. Die Ausrichtung auf Jesus Christus

Ein wichtiges Kriterium, um das Reden des Geistes beim Bibellesen zu prüfen, ist der Fokus auf Jesus. Jesus selbst sagt über den Geist der Wahrheit: „Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen“ (Johannes 16,14).

Wenn Sie eine Passage lesen, fragen Sie sich geleitet durch den Geist:

Indem Sie das Bibellesen nicht als reine Informationsbeschaffung, sondern als persönliche Begegnung mit dem lebendigen Gott verstehen, geben Sie dem Heiligen Geist den Raum, sein transformierendes Werk in Ihnen zu tun.

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