Jedes wahre Gebet hat einen Hintergrund und einen Vordergrund. Der Vordergrund des Gebets ist das drängende, unmittelbare Verlangen nach einer bestimmten Wohltat, die der Seele unbedingt nötig scheint; der Hintergrund des Gebets ist das stille, ernste Verlangen, dass Gottes Wille geschehe, wie er auch sei. Welch ein Bild ist das vollkommene Gebet Jesu in Gethsemane! Vorn brennt das starke Verlangen, dem Tod zu entgehen und zu leben; dahinter aber steht, ruhig und stark, das Verlangen des ganzen Lebens danach, dass Gottes Wille geschehe … Nimm den Vordergrund weg, gib dem Willen dessen, der betet, keinen Ausdruck, und es bleibt eine bloße Ergebung, die fast Fatalismus ist. Nimm den Hintergrund weg, fehlt das Ja zu Gottes Willen, dann ist das Gebet nur ein Ausdruck des Eigenwillens, ein trotziges Beharren auf der unkorrigierten Wahl dessen, der betet. Erst wenn beides zusammen da ist – das besondere Verlangen, das auf der umfassenden Hingabe ruht, und die umfassende Hingabe, die sich zum besonderen Verlangen öffnet –, ist das Bild vollkommen und das Gebet ganz.
— Phillips Brooks (1835–1893), Geistlicher
Bibelstelle: MAT.26.39
Themen: Gebet & Stille, Glaube & Vertrauen, Führung & Gottes Wille
Anlässe: Zum Nachdenken
Phillips Brooks
Phillips Brooks war ein US-amerikanischer Geistlicher und Bischof der Episkopalkirche im 19. Jahrhundert, der vor allem als einflussreicher Kanzelredner an der Trinity Church in Boston wirkte. Bekannt wurde der Vertreter der liberalen „Broad Church“-Strömung als Textdichter des Weihnachtsliedes „O Little Town of Bethlehem“ sowie durch seine Definition der Predigt als Vermittlung von Wahrheit durch Persönlichkeit. Heutigen Bibellesern begegnet er vor allem durch Zitate, die eine persönliche Christusbeziehung, Seelsorge und tätige Nächstenliebe über dogmatische Streitigkeiten stellen.
Alle Zitate von Phillips Brooks (35)
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Wenn wir beten, bleiben die Umstände oft die gleichen, aber wir werden anders.
Oswald Chambers
Das Gebet ändert nicht Gott, sondern den Betenden.
Søren Kierkegaard
Mut ist Angst, die gebetet hat.
Corrie ten Boom
Beten ist Atem holen aus Gott.
Dietrich Bonhoeffer
Charles Haddon Spurgeon
Das Gebet rüstet uns nicht für größere Werke aus – das Gebet ist das größere Werk.
Oswald Chambers
Gott hat sein Ohr an deinem Herzen.
Augustinus von Hippo
Gebete sind Werkzeuge nicht zum Tun oder Bekommen, sondern zum Sein und Werden.
Eugene Peterson