Es ist uns natürlich, auf uns selbst zu vertrauen. So natürlich und durch die Gewohnheit eines ganzen Lebens so befestigt, dass gewöhnliche Schwierigkeiten oder Ratlosigkeiten uns davon nicht abbringen. Es braucht alles, was Gott vermag, um unser Selbstvertrauen mit der Wurzel auszureißen. Er muss uns zur Verzweiflung bringen; er muss uns in eine solche äußerste Lage führen, dass die eine Stimme in unserem Herzen, die eine Stimme, die uns entgegenruft, wohin wir auch nach Hilfe blicken, heißt: Tod, Tod, Tod. Aus dieser Verzweiflung wird die übermenschliche Hoffnung geboren. Aus dieser völligen Hilflosigkeit lernt die Seele, mit neuem Vertrauen zu Gott aufzusehen … Wie kommen die meisten von uns überhaupt zu einem Glauben an Gottes Vorsehung? Nicht dadurch, dass wir in unzähligen Versuchen erfahren, dass es nicht in des Menschen Macht steht, seine Schritte zu lenken? Nicht dadurch, dass wir immer wieder an die Grenze unserer Mittel kommen und spüren müssen: Wenn nicht eine Weisheit und eine Liebe für uns am Werk sind, unermesslich weiser und gütiger als unsere eigene, dann ist das Leben ein sittliches Chaos? … Erst die Verzweiflung öffnet uns die Augen für Gottes Liebe.
— James Denney (1856–1917), Theologe
Themen: Leid & die Frage nach Gott, Hoffnung & Zuversicht, Demut & Stolz
Anlässe: Zum Nachdenken
James Denney
James Denney (1856–1917) war ein schottischer presbyterianischer Pfarrer und Theologieprofessor in Glasgow. Er stellte das stellvertretende Sühnopfer Christi ins Zentrum seiner Theologie und geriet dabei in Konflikt sowohl mit theologisch Liberalen als auch mit konservativen Vertretern einer strikten Verbalinspiration. Für heutige Bibelleser verbinden seine Auslegungen zum Tod Jesu eine anspruchsvolle Schrifterklärung mit dem praktischen Anliegen evangeliumszentrierter Verkündigung.
Alle Zitate von James Denney (8)
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