Zitate von Etty Hillesum

Etty Hillesum (1914–1943) — Tagebuchschreiberin · Jüdisch · Niederlande

Die niederländisch-jüdische Autorin Etty Hillesum führte während der nationalsozialistischen Besatzung in Amsterdam und im Durchgangslager Westerbork Tagebücher und Briefe, bevor sie 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Ihre posthum veröffentlichten Schriften zeugen von einer undogmatischen Gottessuche, dem Verzicht auf Hass sowie dem Entschluss, das Schicksal ihres verfolgten Volkes solidarisch zu teilen. Für Bibelleser veranschaulichen ihre Texte ein Ringen um Glauben, Gebet und Mitmenschlichkeit unter extremen Bedingungen, auch wenn ihre Haltung von Kritikern mitunter als weltfremd diskutiert wurde.

Epoche: 20. Jahrhundert

Wiederkehrende Themen: Weisheit & Erkenntnis, Sinn & Identität, Mut & Kraft, Leid & die Frage nach Gott, Freiheit & Wahrheit, Gebet & Stille, Ethische Fragen, Liebe

Zitate von Etty Hillesum

Möge ich das denkende Herz dieser Baracke sein. Ich möchte es wieder sein. Ich möchte das denkende Herz eines ganzen Konzentrationslagers sein.

Etty Hillesum

Es gibt einen wirklich tiefen Brunnen in mir. Und darin wohnt Gott. Manchmal bin ich auch da. Aber öfter verstopfen Steine und Schutt den Brunnen, und Gott liegt darunter begraben. Dann muss Er wieder ausgegraben werden.

Etty Hillesum

Der Himmel ist voller Vögel, die violetten Lupinen stehen so königlich und friedlich da, zwei alte Frauchen haben sich für ein Gespräch auf die Kiste gesetzt, die Sonne scheint mir ins Gesicht – und direkt vor unseren Augen Massenmord. Das Ganze ist schlicht unbegreiflich.

Etty Hillesum

Und wenn Gott mir nicht weiterhilft, dann werde ich Gott helfen müssen. Die Oberfläche der Erde verwandelt sich allmählich in ein einziges großes Gefangenenlager, und bald wird niemand mehr draußen sein.

Etty Hillesum

Die Menschen, die Menschen – vergiss nicht, dass du einer von ihnen bist.

Etty Hillesum

Die Abwesenheit von Hass bedeutet keineswegs die Abwesenheit von moralischer Entrüstung.

Etty Hillesum

Du hast mich so reich gemacht, o Gott, bitte lass mich Deine Schönheit mit offenen Händen teilen. Mein Leben ist zu einem ununterbrochenen Dialog mit Dir geworden, o Gott, zu einem einzigen großen Dialog.

Etty Hillesum

Und da ich, nunmehr frei, nichts mehr besitzen will, gehört mir nunmehr alles und mein innerer Reichtum ist unermesslich.

Etty Hillesum

Der Mensch schmiedet sein Schicksal von innen her, das ist eine recht verwegene Behauptung. Dagegen steht es dem Menschen frei zu wählen, wie er dieses Schicksal in seinem Inneren empfängt.

Etty Hillesum

Eigentlich habe ich keine Angst. Dennoch bin ich nicht tapfer, aber ich habe das Gefühl, es immer mit Menschen zu tun zu haben, und den Willen, das Verhalten eines jeden so weit wie möglich zu verstehen.

Etty Hillesum

Was letztlich zählt, ist die Seele, oder das Wesen, wie man will, das durch die Person hindurchstrahlt.

Etty Hillesum

Ich bin auf der Suche nach einer Zuflucht für mich selbst, und das Haus, das sie mir bieten wird, muss ich selbst Stein für Stein erbauen. So sucht sich jeder ein Haus, eine Zuflucht. Und ich suche immer nach einigen Worten.

Etty Hillesum

Viele Menschen sind für mich noch wahre Hieroglyphen, aber ganz behutsam lerne ich, sie zu entziffern. Ich kenne nichts Schöneres, als das Leben im Entziffern der Wesen zu lesen.

Etty Hillesum

Nach dem Krieg wird neben einer Flut des Humanismus eine Flut des Hasses über die Welt hereinbrechen. Als ich diese Worte hörte, hatte ich noch einmal die Gewissheit: Ich werde gegen diesen Hass in den Krieg ziehen.

Etty Hillesum

Lieber Gott, es sind bange Zeiten. Heute Nacht lag ich zum ersten Mal mit brennenden Augen im Dunkeln, während Bild um Bild menschlichen Leidens an mir vorüberzog.

Etty Hillesum

Bewahre deine Vorahnungen und deine Intuition, sie sind eine Quelle, aus der du schöpfst, aber hüte dich, darin zu ertrinken!

Etty Hillesum

Man sucht immer die befreiende Formel, den klärenden Gedanken.

Etty Hillesum

Die Wirklichkeit erreicht eine allzu entflammte Einbildungskraft nicht.

Etty Hillesum

Wir sind nur hohle Gefäße, in die die Flut der Geschichte hineinstürzt.

Etty Hillesum

Belege: scholieren.com, protestantsekerk.nl, historiek.net, nieuwwij.nl

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